Was für eine Gitarre brauche ich für den Unterricht?
Worauf muss ich bei einem eventuellen Kauf achten?

Dies sind die beiden häufigsten Fragen, die mir Eltern von potentiellen Schülerinnen und Schülern stellen:
Leider fragen viel zu wenige vor Beginn des Unterrichtes und besorgen sich dann irgendetwas,
was dann häufig nicht zu gebrauchen ist.
Leider geben sogenannte Verkäufer in Musikläden ebenfalls sehr häufig falsche Informationen, nur um Geld zu verdienen. Und der Kunde meint, fachlich beraten worden zu sein.

Liebe neue Schülerinnen und lieber neue Schüler,
liebe Eltern!

Wir brauchen eine ganz normal große Gitarre, keine Western- keine E- oder sonstige.
Grundsätzlich - egal was auch immer irgendwelche Instrumentalhändler (teils sehr agressiv) behaupten mögen - braucht Ihr keine sogenannten Kinder- oder Jugendgitarren (Halbe- oder Dreiviertelgitarren). Das sind kleinere Instrumente mit kürzeren Mensuren (sprich Länge der Saiten - somit auch verkürzter Gesamtlänge) und mit schmaleren Schallkörpern.

Wozu auch! Das ist nur rausgeschmissenes Geld!

Lasst Euch diesen Unsinn nicht einreden - von wem auch immer!
Für die Violinen- und Cello-Schüler sind kleinere Instrumente (aufgrund der Haltung) ein Muss - nicht so bei den Gitarren !
Die meisten Kinder (ab sieben Jahren) sind groß genug, um auf einem normalen Instrument zu musizieren! Und sollten tatsächlich ausnahmsweise die Arme etwas zu kurz sein, so kann der Hals bequem mit einem Kapodaster gekürzt werden!

Also, niemals eine kleine Gitarre kaufen!

Und übrigens: ordentliche Instrumente gibt es weder in Spielzeugläden, noch in„Kaffeegeschäften“ oder im Supermarkt. Ein Instrumente ist kein Spielzeug!
Das gilt auch für Anfängerinstrumente!

Wie groß soll die Gitarre sein?

In meinem Unterricht benutzen wir die sogenannte Konzertgitarre, auch klassische Gitarre genannt - was immer das heißen mag. In Wirklichkeit sind das alles ganz normal traditionelle, spanische Gitarren*! Auf einer klassischen Gitarre (so wollen wir sie jetzt verallgemeinerd nennen) sind sechs Nylon-Saiten aufgezogen, wovon drei (die Bass-Saiten) noch zusätzlich mit feinem Draht umsponnen sind. Also bitte keine mit Stahlsaiten kaufen und benutzen. Diese werden z.B. bei Western- und E-Gitarren verwendet.

Klassische Gitarren haben eine Mensur von ca. 65cm Länge, gemessen vom Sattel am Ende des Halses bis zum Steg, der Befestigung auf der Korpusdecke. Der Schallkörper (Korpus) ist ca. 9 bis 10 cm breit (Zarge).
Und das ist eigentlich schon alles was größenmäßig beachtet werden muss.

Was noch?

Eine gute Gitarre sollte zudem noch eine massive Holzdecke haben (Bauchplatte, am Schallkörper obenauf - die, mit dem Schallloch). Sie besteht in der Regel aus Fichtenholz (can. "Ceder" - entspricht nicht der deutschen Zeder). Diese Instrumente klingen auf Dauer besser, als solche mit Schicht- oder Leimholzplatten. Zwar sind sie empfindlicher - doch Instrumente sollten sowieso immer pfleglich behandelt werden.
Und um es gleich vorweg zu nehmen: ein Klarlack (eine glänzende Lackschicht) auf der Gitarre ist im Prinzip nicht besser oder schlechter als ein Mattlack. Eventuell ist der Klarlack pflegeleichter und sicherlich sieht er schöner aus.
Doch ohne ein passendes, rundum gepolstertes Etui oder Hülle sollte eine Gitarre - überhaupt jedes Musikinstrument - nicht transportiert werden. Hier gibt es inzwischen sehr praktische, welche mit Rucksacktrageriemen und diversen Noten- und Fußbanktaschen dran.

In diesem Zusammenhang werde ich immer wieder gefragt:
Ich bin „Linkshänder“, kann ich ....?

Nein, geht auf den normalen Gitarren nicht! Wenn ich das Instrument anders herum halten möchte - also den Hals statt nach links einfach nach rechts richte - müsste ich die Saiten umspannen.
Rein mechanisch wäre das natürlich möglich, aber dazu müssten beide Hälften der Gitarren egal (gleich) sein. Und das sind sie nicht! Das Innenleben ist unterschiedlich und auch die Dicke der Decke; im Bassbereich ist sie dünner und im Diskantbereich dicker. Und wenn ich die Saiten trotzdem einfach tausche, leidet die Stabilität und die Saitenschwingungen machen die Gitarre ganz schnell unbrauchbar.
Auch der Pianist kann nicht einfach die Richtungen wechseln und im Grunde ist das meiner Meinung auch völlig unwichtig, mit welcher Hand ich geschickter bin. Ein Instrumentalist muss sowieso beide Hände gleich gut trainieren.

Selbstverständlich gibt es Linkshändergitarren! Diese sind entsprechend gebaut; das Innenleben und Decke sind spiegelverkehrt. Doch sind solche Instrumente wesentlich teurer als normale - und lohnt sich das?
Inzwischen gibt es von einigen Markenfirmen auch Linkshändergitarren als Standardangebot für Anfänger im ähnlichen Preisniveau. Doch aufgepasst, einmal damit angefangen kann ich nicht mehr wechseln! Bessere Gitarren (wenn der/die Schüler/in fortgeschritten ist und irgendwann super gut spielt) sind wesentlich teurer und ich kann auch nirgendwo einfach mal eine Gitarre nehmen und schnell darauf musizieren!
Das gebe ich zu bedenken.

Ein Leser dieser Seite hat darauf hingewiesen, dass die linke Hand bei Linkshändern stärker und für den Anschlag und Rhythmus maßgeblich zuständig ist. Das ist sicherlich richtig und vielleicht für Linkshänder auch leichter zu handhaben - trotzdem haben nicht nur die Pianisten die letzten 250 Jahre keine Linkshänder-Klaviere genutzt.
Wenn also unbedingt eine Linkshänder-Gitarre, dann
aber bitte eine echte, eine vom Hersteller ausgewiesen und und keine „verdrehte“ - auch wenns der Händler vielleicht mal wieder „als möglich“ behauptet.

Im übrigen kenne ich auch keine guten oder bekannten Instrumentalisten, die „links“ spielen (außer im U-Bereich), habe noch keine/n Violinspieler/in nach rechts streichen gesehen und auch die Blasinstrumente kenne ich nicht „falschherum“.
Aber dagegen gibt es viele, auch sehr gute Linkshänder-Musiker/innen die „rechts“ spielen.

Letztendlich gilt für alle „rechts“ wie „links“: auf jedem Instrument müssen beide Hände tatsächlich gleich gut trainiert werden; es macht keinen Unterschied !

Übrigens für die Kritikaster meiner öffentlichen Homepage:
Christoph ist Linkshänder und spielt auf einer normalen „Rechtshändergitarre“. Er erreichte 2009 im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Essen die erste Leistungsstufe mit sehr gut, 2010 einen Sonderpreis beim „Lions Club Musikpreis Niedersachsen“ (beides Gitarre solo) und mit seinem Partner 2010 Matthias den 2. Preis im Landeswettbewerb in Osnabrück (Gitarre Duo).

Woher nehme ich meine erste Gitarre?

Am Anfang sollten Sie, liebe Eltern, sich erst einmal in der Verwandt- und Bekanntschaft um-schauen, ob irgendwo ein „altes“ Instrument rumsteht. Doch bitte in der wie oben beschriebenen Größe und Besaitung!
Vielleicht erst nach einem halben Jahr sollte an den Erwerb einer neuen Gitarre gedacht werden - vielleicht zu Weihnachten? Ich denke, nach einigen Monaten weiß jeder, ob die Gitarre tatsächlich sein Instrument ist oder nicht.

Da dies eine private Homepage ist, darf ich hier auch eine Empfehlung aussprechen. Ich empfehle Höfner Gitarren. Das sind sehr gute und ordentliche Instrumente, relativ kostengünstig (liegen bei ca. 220,- bis 350,- Euro), klanglich schön und ich habe gute, nein sehr gute Erfahrungen mit dieser Firma gemacht.
Ich mag sehr gern die Modelle HF-11 (farblich etwas dunkler), H-12 (etwas heller und beide matt lackiert) und HF-15 (glanzlackiert - die benutze ich im Unterricht). Leider sind diese Gitarren in der letzten Zeit teuer geworden - ein Schüler hat sich gerade eine HG 604 gekauft, nicht schlecht, auch wenn ich noch keine Langzeiterfahrung mit dem Instrument habe. Die HF-Serie und auch das zuvor genannte HG-Modell haben alle Massivholzdecken (guter Klang) und können natürlich auch ganz offiziell von mir bezogen werden, sofern gewünscht.

Ich hoffe, ich habe Euch / Ihnen mit diesen Informationen helfen können.
W. Wicklein

 

P.S.
für den Gitarrenunterricht brauchen wir neben der Gitarre und einer passenden Hülle noch

ein Stück Leder
(Fensterleder, die Hälfte reicht) zum „Unter-Die-Gitarre-Auf-Das-Knie-Legen“,

Wickis Gitarrenschule (gibt es über mich)

einen weichen Bleistift.

Praktisch wäre auch ein Stimmgerät.
(Aber bitte, erst nach Rücksprache mit mir: denn die teuersten sind nicht unbedingt die besten!)

Später kommen noch diverse Noten und einen DIN A4 Ringhefter dazu,
und auch ein Metronom (Taktgeber) ist dann irgendwann ebenfalls nötig.

 

(* Die Flamencogitarre - das was die meisten unter einer spanischen Gitarre verstehen - ist ganz ähnlich wie unsere normale klassische. Sie ist aber aus anderem Holz gebaut und klingen deshalb härter.)